Posts mit dem Label Kinder werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kinder werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 11. März 2017

Der kleine Löwe

Der kleine Löwe gab klägliche Töne von sich, er war allein. Seine Mutter war mit den anderen Löwinnen zur Jagd aufgebrochen, aber als einzige nicht zurückgekehrt.

Was sollte nun aus ihm werden? Er war noch auf Muttermilch angewiesen. Heute hatte er noch nichts zu fressen gehabt. Sein Vater würde ihn verstoßen, wenn er eine andere Favoritin wählen würde. Keiner würde sich um ihn kümmern, alle würden ihn herumstoßen, er würde verhungern und verdursten, wenn nicht ein Wunder geschah.

Da näherte sich ihm eine ältere Löwin vorsichtig und erkundete mit vorgeschobener Nase seinen Geruch. Dann stubste sie ihn an, ganz zärtlich. Der kleine Löwe war erst sehr vorsichtig und zögerlich, doch dann fing auch er an, den Geruch der fremden Löwin aufzunehmen.

Die Löwin ließ sich auf ihre rechte Seite fallen und bot dem kleinen Löwen ihre Zitzen, die angesschwollen waren, so als seien sie voll Milch. Der kleine Löwe hatte so starkem Hunger, so dass er nicht widerstehen konnte. Er lief ganz schnell  hin und fing an zu saugen. Das schmeckte herrlich!

Er hörte erst auf, als er satt war. Dankbar fing er an, die Löwin am Kopf zu lecken. Diese genoss es und leckte wiederum den Bauch des kleinen Löwen, damit die Verdauung in Schwung kam. Sie hatte ihre Jungen verloren und nahm sich nun des Löwenbabys an dessen Mutter statt an. Und beide waren sehr zufrieden und glücklich.

© Petra Schuster
Nürnberg, 14.06.2010

Freitag, 26. September 2014

Der Lange und das Kätzchen

Es war dunkel draußen. Und kalt. Das kleine Kätzchen saß zitternd und frierend im Schnee und miaute kläglich. Aber niemand schien es zu hören. Die Katzenmama war fortgelaufen, um etwas zu Fressen zu suchen. Das Katzenmädchen miaute immer öfter und lauter, es hatte Hunger und große Angst und natürlich fror es entsetzlich. Sie war die einzige aus dem Wurf, die noch am Leben war, alle anderen waren längst gestorben, verhungert oder erfroren. Aber die Mutter wollte und wollte nicht wiederkommen.

Verzweifelt lief das Kätzchen in die Richtung, in die die Mutter verschwunden war. Und da lag sie plötzlich vor ihr, tot. Ein Auto hatte sie erfasst und mitgeschleift.

Das arme Kätzchen lief zu ihr, stubste sie an und ließ nicht locker, immer und immer wieder stieß sie die kleine Nase in die Seite der Toten. Miauuuu, miauuuu, miauuuu! Ganz traurig legte sie sich dann an die Seite der Mutter, bettete den Kopf auf die Pfoten und miaute leise weiter.

Ein großer, hagerer, traurig aussehender Mann näherte sich dem Trauerort. Er blieb erstaunt stehen, als er die kläglichen Laute hörte. Als er die Situation erfasste, beugte er sich hinab zu dem winzigen Schreihals und hob ihn hoch. Das Kätzchen sah zu ihm auf, miaute noch ein paar Mal und als es der Mann zärtlich streichelte, rieb es seinen Kopf an seiner Hand.

Der Lange schob das kleine Kätzchen unter seinen Mantel und auf dem Nachhauseweg holte er im Supermarkt an der Ecke noch eine Schale mit Katzenfutter. Zuhause angekommen bekam das Kleine zuerst ein Tellerchen mit Milch, und dann konnte es sich endlich satt fressen.

Der Mann verließ noch einmal das Haus. Er holte die tote Mutterkatze und vergrub sie in seinem Garten.

Die beiden, der Lange und das Kätzchen, wurden bald unzertrennlich. Abends saßen sie gemeinsam auf dem Sofa, der Mann streichelte das Köpfchen der Kleinen und er selbst war auch nicht mehr traurig, sein Leben hatte wieder einen Sinn bekommen, er hatte eine Aufgabe, wurde geliebt und gab diese Liebe tausendfach zurück.

© Petra Schuster
Nürnberg, 25.05.2004